Kirche bittet zu Tisch 17.06.2017

Es ist Freitag, und ich stehe in meiner Küche. Draußen blauer Himmel, die Sonne scheint, es ist schön warm. Ich bereite meine Salate vor und backe Brot, denn Morgen bittet auch unsere Treianer Gemeinde zu Tisch. Das Motto steht unter dem Stern gemeinsam Essen, Trinken, sich austauschen, neue Bekanntschaften schließen und alles was Spaß macht. Unsere Gemeinden folgen damit im Jahr des 500. Reformationsjubiläums der guten christlichen Tradition. Jeder, der Zeit und Lust hat, kann dabei sein.

Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes für morgen, den 17.06.2017, leichter Regen, bei höchstens 15 Grad, sind angesagt. Ich komme mir wie ein kleines Mädchen bei dem Gedanken vor: “Bitte mach das morgen die Sonne scheint und es warm wird.“

Am Sonnabendmorgen scheint die Sonne, ich danke Petrus dafür, daß er mich erhört hat, aber vielleicht war es ja auch Ra, er war/ist der Sonnen Gott der Ägypter, der dort täglich mit seiner Sonnenbarke über den Himmel fährt. Man weiß es nicht.

Um 14:00 geht es los. Wir treffen uns am Pastorat in Treia, von hier aus geht die Reise nach Esperstoft, zur Kanuanlegestelle. Schnell sind die Kanus abgeladen und wir tragen sie gen Treene. Der ein oder andere stößt auch hier noch zu uns. Die Boote sind zu Wasser gelassen, alles wird in Seesäcke verpackt was nicht, sollte der unerwartete Fall eintreten, daß jemand kentert, naß werden soll/darf.

Unter großem Spaß besteigen wir nun selbst die Kanus, bei dem ein oder anderen vermuten wir schon: oh das geht nicht gut, aber letztendlich sind alle trocken in Ihre Kanus gekommen und die Reise zu Wasser beginnt. Es dauert genau fünf Minuten, bis unser Boot anfängt zu schaukeln. Ich bringe den Satz noch fast zu Ende: „Stefan was machst du da, hö…“ Der Rest meines angefangenen Satzes geht unter lauten Geplätscher unter, es steigen nur noch Luftblasen an die Wasseroberfläche, die sagen sollen „… r auf zu schaukeln, wir kentern sonst.“. Dann versinken wir in die „Tiefen“ der Treene, die heute zum Glück nur Hüfttief ist. Als wir beide wieder an der Oberfläche ankommen, ist das Gelächter auf unsere Seite. Völlig verwirrt lasse ich verlauten: „Wir dachten wir brauchen diesmal keine Ersatzklamotten, weil wir die ganze anderen Male, die wir Kanufahren waren, nie gekentert sind!!!“ (hierbei handelt es sich um 5 Fahrten in den letzten 20 Jahren, die wir in Treia wohnen. Um ganz genau zu sein, ich wohne 20 Jahre hier und war 5 mal Kanufahren, Stefan ist jetzt 10 Jahre hier und war mit mir zusammen 3 mal Kanufahren).

Das Gelächter steigert sich ins unermessliche, wir haben viel Spaß. An der Anlegestelle Ipland werden wir wie die „Queen Mary“ empfangen. Es gibt lecker Kuchen, heißen Kaffee und Tee, so soll es sein, wenn die Kirche zu Wasser und Land unterwegs ist. Es ist ein herrlicher Tag. Nach dem großen Empfang besteigen wir wieder die Kanus und machen uns auf den langen Weg gen Heimat. Kurz bevor wir den großen Wasserfall an der Treianer Feuerwehr passieren, hören wir Schreie und das altbekannte Platsch. Schnell paddeln wir auf die Verunglückten zu, um Hilfe zu leisten. Dies können wir aber leider nicht, weil wir alle fast aus den Booten fallen vor Lachen, es ist einfach nur göttlich. Nachdem alle wieder an Bord sind, bewältigen auch wir übrig geblieben den großen Wasserfall an der Feuerwehr. Wir sind am Ziel. Nun alles wieder auspacken und trocken legen. Der Tag ist gerettet: es gibt jetzt lecker Essen. Unsere Gemeinde bittet zu Tisch.

 Gemeinsam sitzen wir im Pastoratsgarten und schlemmen, es sind nicht nur die hungrigen Kanufahrer anwesend, die Tische füllen sich mit weitern Gästen. Die Stimmung steigt, Gespräche über den schönen Tag. Leute, die man zwar seit vielen Jahren vom Sehen kennt und auch genau weiß in welchen Haus sie wohnen, hier kann man sie kennenlernen und auch mehr als nur ein „Moin“ mit ihnen austauschen. Nach unserem fülligen Mahl besuchen wir das KLEINE PARADIES. Für alle die nicht wissen was hier vor sich geht, früher handelte es sich um eine Anlegestelle am Pastorat, heute ist dies noch genauso aber es stehen Bänke dort und wer ab und an, an einem Sonntagmorgen dort vorbei geht, kann Taufen zusehen, dort wird geheiratet, auch die Friedensandacht findet dort am Freitagabend statt und vieles mehr. Kirche zu Land und zu Wasser.

Pastor Petersen läßt mit uns gemeinsam den Tag Revue passieren. Zusammen stimmen wir einen Kanon an. Dieser soll in drei Teilen gesungen werden, langsam aber sicher kommen wir der Sache näher. Der eine etwas höher in der Stimmenlage, der andere etwas tiefer, der nächste gar nicht im Takt oder in der falschen Strophen, aber es wird immer besser. Nach dem dritten Mal sind wir so zufrieden, daß wir es ohne Scheu noch einmal versuchen und siehe da: geht doch.

Wir lassen den schönen Tag am Lagerfeuer ausklingen.

So kann und soll es sein: Kirche zu Wasser und zu Land, oder Kirche bittet zu Tisch.

Frauke Basner