aktueller Gottesdienst

Kantate heißt der kommende Sonntag. Kantate bedeutet singt! Der Gesang berührt unsre Seele; ist Ausdruck von Emotionen, von Ehrfurcht, Trauer und Freude. Und vielleicht mag es der einen oder dem anderen heute Morgen so ergangen sein, dass er hätte vor Freude singen können, als er der Zeitung aufschlug. Nach so vielen Wochen des Zurückdrängens unseres Sozialen Lebens kam die Ankündigung von weiteren Lockerungen. Die ersten wurden schon vergangenen Woche verkündet: Gottesdienste sind wieder möglich, ab Sonntag.

Und diese Gottesdienste sind wie ein Neubeginn. Sie sind ein Fest, das wir wieder feiern können mit Gott. Da möchte man am liebsten richtig laut singen vor Freude – doch das wird nichts, denn Gesang könnte anstecken.

Der Predigttext für diesen Sonntag beschreibt diese Situation auf fast humorvolle Art. Der Jerusalemer Tempel soll geweiht werden und da wird im 2. Buch der Chronik folgendes berichtet: Damals versammelte Salomo die Ältesten Israels, alle Stammeshäupter, die Fürsten der Familien der Israeliten in Jerusalem, um die Lade des Bundes des HERRN heraufzuholen aus der Stadt Davids, das ist Zion.  Und alle Männer Israels versammelten sich um den König am Fest, es war der siebte Monat. Und alle Ältesten Israels kamen, und die Leviten hoben die Lade auf, und sie trugen die Lade hinauf, das Zelt der Begegnung und alle heiligen Geräte, die im Zelt waren. Die Priester und die Leviten trugen alles hinauf.
Und als die Leviten, die Sänger waren, sie alle, Asaf, Heman, Jedutun und ihre Söhne und ihre Brüder, in Byssus gekleidet, mit Zimbeln und Harfen und Leiern östlich vom Altar standen, und mit ihnen hundertzwanzig Priester, die die Trompeten bliesen, und als die Trompeter und die Sänger wie ein einziger Mann eine einzige Stimme anzustimmen hatten, um den HERRN zu loben und zu preisen, und als sie einsetzten mit Trompeten und mit Zimbeln und mit anderen Musikinstrumenten und als sie den HERRN lobten: Ja, er ist gut; ja, ewig ist seine Güte!, da wurde das Haus von einer Wolke erfüllt, das Haus des HERRN.
Angesichts der Wolke aber konnten die Priester nicht hinzutreten, um den Dienst zu verrichten, denn die Herrlichkeit des HERRN hatte das Haus Gottes erfüllt.

Alles ist vorbereitet, der große Auftritt soll folgen, die Sänger setzten an mit dem Lobgesang: Ja, er ist gut; ja, ewig ist seine Güte!, Da platzt die ganze Inszenierung. Gott selber kommt in den Tempel als Wolke und alles von Menschen so gut geplante erstirbt, aller Gesang verhallt.

Wenn wir jetzt wieder Gottesdienste feiern können, wie wird es uns da ergehen? Werden wir Gottes Gegenwart spüren? Wohl nicht so unmittelbar und physisch wie damals in Jerusalem, als Gott den Tempel in einer Wolke erfüllte. Doch erfahrbar wird er sein. Denn das will uns die Erzählung der Tempelweihe bis heute deutlich machen: Der Gesang und die Liturgie sind kein Selbstzweck. Sie sind schön zu hören, doch worauf es ankommt ist allein dies: Gottes Gegenwart unter den Menschen soll erfahrbar werden. Dazu dienen die alten Erzählungen, dazu dienen unsere Lebenserfahrungen, dazu dient die Gemeinschaft, die wir Kirche nennen. Dazu dient es, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern und uns gegenseitig vergewissern: Gott ist bei uns

Und deshalb freue ich mich darüber, dass wir zusammen kommen können und Gottesdienste feiern werden. Anders als sonst, Nicht inszeniert und geplant, aber in der Tradition unserer Gemeinde am Montag um 17.45 Uhr hinter der silberstedter Kirche die Friedensandacht und am Freitag um 18.30 Uhr die Andacht im kleinen Paradies an der Treene. Wichtig ist: wir sind allein. Wir sind verbunden mit anderen Menschen und mit Gott.

Im Klagen wie im Loben. Im Bitten wie im Danken. Du bist nicht allein. Und Gott ist mit dir – an dem Ort, an dem du dich befindest. Auf den Wegen, die du gehst. Und deshalb, mit Hanns Dieter Hüsch gesprochen: „Lobe, den Herrn, du kleines sterbliches Ge­schöpf, sing ihm deine Liebe ins Gesicht.“ Wie schön, dass wir das wieder gemeinsam tun können.

Fürbittengebet:

Ewiger Gott
Wir bitten dich: gib uns die nötige Ruhe für diesen Augenblick
und sei mit uns.
Wir danken dir für alles, was in unserem Leben gelungen ist
Wir bitten um Vergebung für die Zeiten, in denen wir dich, einander und uns selbst nicht lieben konnten ,
Wir bitten für alle, die deinen Trost und deine Fürsorge brauchen.
Umhülle uns mit deiner Liebe und erfülle uns mit deinem Frieden, durch Jesus Christus, unseren Herrn
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.